Der nächste Kick

Kennst du Menschen die hochfunktional sind, das Leben nicht allzu ernst nehmen und die ganz viel in ihrem Leben schaffen und gestalten. Ihr Tag scheint mehr Stunden zu haben, als von anderen Leuten. Sie sind High Performer, sie hinterfragen sich und suchen nach Lösungen und scheitern nicht an Herausforderungen.

Sie durchschauen anderen Personen und Menschen sehr schnell, sie merken sofort jegliche Manipulation und können zwischen positiven und negativen Absichten unterscheiden.

Ihr Körper und ihr Bauchgefühl reagiert in Bruchteilen von Sekunden auf Menschen und Situationen, sie haben eine sehr ausgeprägte Intuition und sie können enorm schnell vom Lebensfreudemodus auf Überlebensmodus umschalten.

Ein Beispiel: Sie sitzen in einer Bar oder am Strand und sind tiefenentspannt, bevor es am Nachbartisch laut wird, spüren sie die veränderte Stimmung VOR der Eskalation und der Schlägerei, sie haben so die Möglichkeit sich und ihre Familie rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Ihr Körperbewusstsein, ihre Wahrnehmung, ihr Fühlen ist so tief, dass sie die Gefühle von anderen Menschen eher lesen können, als diese Person es bei sich selbst tun kann.

Sie unterstützen Menschen, sie sind freundlich und bei einem negativen Grundgefühl eher misstrauisch und zurückgezogen. Sie machen keine Kompromisse mehr.

Dies alles läuft zunächst unbewusst ab und wird dann sehr schnell im Bewusstsein erkannt und die Strategie eingeleitet, wenn sie nicht schon intuitiv eingeleitet wurde. Sie sind oft Overthinker, weil sie das was sie spüren, verstehen und analysieren wollen, so erleben und verstehen sie die Welt auf einer viel tieferen Ebene, als jeder andere Mensch.

Klinkt nach Superman und Superwoman? Irgendwie schon, es sind Menschen, die Gewalt und Missbrauch überlebt haben.

Diese Menschen mussten permanent abscannen. Und nicht um zu manipulieren, sondern zu überleben. Dafür haben sie sich klein gemacht, Stimmungen im Raum erfasst und die Strategien um eine Eskalation zu verhindern entwickelt und je nach Sachlage eingesetzt, diese Menschen haben sich verantwortlich gefühlt, für die Gefühle ihrer Mitmenschen. Unerkannt bleibt es häufig im Erwachsenalter bestehen.

Sollten sie das alles einigermaßen überlebt haben, haben sie nun eine Superkraft. Das stimmt. Doch es gibt noch einen andern Haken.

Diese Menschen haben keinen Frieden kennengelernt, weder im innen, noch im außen. Sie standen permanent unter Strom, die Aufmerksamkeit war nach außen gerichtet. Sie konnten ihre Gefühle kaum wahrnehmen, weil sie dafür Frieden, Schutz und Ruhe gebraucht hätten. Sie haben alles getan, um weiteres Unheil, von sich und ihrer Familie abzuwenden, oft weit über ihre eigenen Grenzen hinaus.

Sie sind mutig und stark und dennoch zweifeln diese Menschen am meisten. Sie fragen sich, was sie noch besser machen hätten können. Dabei tragen sie keine Schuld, sondern ausnahmslos die Täter. Auf einer intellektuellen Ebene wissen das diese Menschen auch und doch gibt es immer wieder innere Anteile, die sich mit Schuld und Scham, auf einer emotionalen Ebene – rumplagen.

Diese Menschen können auch im Erwachsenenalter Ruhe, Frieden, ein wenig gesunde Langeweile, Gleichförmigkeit –  kaum aushalten. Ihr Nervensystem hat gelernt, immer zu regeln, präsent zu sein, Verantwortung zu übernehmen, zu retten, die Feuerwehr zu spielen und „aufzuräumen“.

Also Herzlich Willkommen an alle helfenden Berufe, wie Krankenschwestern und Pfleger, Sozialarbeiter, Erzieher, Ärzte, Coaches und Berater, Projektleiter, Feuerwehrmänner, Polizisten, Soldaten und viele Berufsgruppen mehr. Hier gibt es natürlich auch nicht nur traumatisierte Menschen, sondern auch Personen, die sich diese Berufe aus anderen Gründen ausgesucht haben. Dabei können weitere Gründe sein: viel Anerkennung für „das Helfen“ bekommen zu haben oder tolle Vorbilder gehabt zu haben oder ein anderes positiv besetztes Bild dieses Berufes.

Nun, zu meinem eigentlichen Thema. Diese Menschen, die immer wieder den nächsten Kick brauchen, die nächste Herausforderung, den nächsten Job, bei dem sich richtig aufräumen müssen, das nächste (fast) aussichtslose Projekt oder die nächste Dramastufe, machen das nicht aus innerem Antrieb (oder irgendwie doch), sondern aus einem Überlebensmodus heraus. Ein Nervensystem, dass sich im Dauerstress befindet. Das immer wieder „überleben“ will. Klingt gut, ist es jedoch nur bedingt. Weil diese Menschen aus dem Dauerstress nicht rauskommen und es sich als selbst als „Heldenhaft“ und „Heldenmut“ verkaufen. Weil sie absolute Burnout Kandidaten sind oder irgendwann eine funktionelle Depression entwickeln. Weil sie sich nur noch darüber identifizieren und eine Work – Life- Balance als lächerlich empfinden und alles weil Ruhe den sicheren Tod bedeuteten kann.

Eine „geheilte“ Version findet Frieden im innen und im außen. Diese Menschen sind immer noch High Performer, doch sie suchen ihre Projekte gezielt aus. Ihr Nervensystem hat gelernt, die schönen Zeiten des Lebens zu genießen und das Ruhe und Zeit, Erholung, Schlaf und Pausen auch ganz schön sind. : ))

Diese Menschen finden ihre Stärke, ihre Mitte und ihre Macht wieder, die Männer in ihrer männlichen Energie und die Frauen in ihrer weiblichen Energie. Sie müssen nicht mehr „retten“, sondern dürfen sich um ihren eigentlichen Lebensweg kümmern. Und das Schöne dabei ist, sie wollen dies nun auch und genießen es sehr.