Wie hättest du entschieden?

Kennst du das? Du musst über Jahre umsonst arbeiten. Die Arbeit ist hart, es gibt Aufseher, die dich schlagen, wenn du langsamer wirst.

Es gibt kein Wochenende und kaum Erholung, dafür gibt es kaum etwas zu essen.

Und für diese Arbeit wirst du nicht entlohnt. Im Gegenteil du unterstützt dafür ein System, dass du hasst, dass dich unterdrückt, deine Familie und Freunde umbringt, deine Kinder vergewaltigt.

Und du weißt eins, du funktionierst noch ein wenig und überlebst oder du gehst lieber in die Gaskammer, um den Krieg und das System nicht zu unterstützen und somit die Kampfhandlungen zu verlängern und so die Opferzahlen in die Höhe steigen werden.

Wie hättest du entschieden?

Wärst du lieber gleich in die Gaskammer gegangen, wie viele Juden, um nicht für die Nazis arbeiten zu müssen oder hättest du lieber versucht zu überleben, um danach aufzuklären, Überlebende zu unterstützen und an das Schicksal und die Ungerechtigkeit zu erinnern.

Schauen wir es uns gemeinsam an:

Jüdische Unternehmer wurden enteignet, die Firmen bekamen nazitreue Deutsche für einen Spottpreis. Eine Entschädigung für die Opfer gab es nicht.

Im Gegenteil, sie konnten froh sein, mit dem Leben davon gekommen zu sein.

Die bekanntesten Firmen die Zwangsarbeiter beschäftigt haben, sind IG Farben, Krupp und Siemens, doch auch viele, viele andere Unternehmen.

IG Farben war ein sehr großer Chemiekonzern zur damaligen Zeit, es handelt sich um den Vorläufer von BASF, Bayer und Hoechst)

Es gab ein Werk direkt neben dem Konzentrationslager in Auschwitz, der Name war Auschwitz – Monowitz. Dort wurden tausende Arbeiter eingesetzt, viele starben durch Hunger, aufgrund der Arbeit oder durch Misshandlungen.

Die Firma Krupp war zur Nazi -Zeit ein großer Stahl – und Rüstungskonzern, dort wurden Waffen und Ausrüstungen für die Wehrmacht hergestellt, es wurden zehntausende Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt. Die Arbeitsbedingungen waren unmenschlich, lebensgefährlich und extrem hart.

Der Firmenchef wurde nach dem Krieg verurteilt und später begnadigt.

Auch Siemens nutzte Zwangsarbeiter aus den Konzentrationslagern, die Produktionsstätten lagen in der Nähe, zum Beispiel im KZ Ravensbrück.

Siemens lieferte wichtige Technik für das Militär und für um die Infrastruktur für das NS- Regime aufrechtzuerhalten.

Auch Volkswagen damals unter dem Namen „KdF -Wagen“, setze während des Krieges Zwangsarbeiter ein, viele Arbeiter lebten unter schlechten Bedingungen.

Heute hat Volkswagen seine Geschichte intensiv aufgearbeitet.

Diese Firmen bekamen Aufträge von der Regierung für die Kriegswirtschaft und erzielten so sehr, sehr hohe Gewinne. Die Regierung, Banken und die Industrie arbeiteten gemeinsam an der Ausbeutung der Juden und der inhaftierten Menschen aus besetzten Ländern.

Einige wenige Verantwortliche wurden in den Nürnberger Prozessen zur Rechenschaft gezogen. Später gab es Ausgleichszahlungen, doch nur wenige der Zwangsarbeiter hatten überlebt oder sie hatten es besonders schwer eine Entschädigung geltend zu machen.

Die ersten, sehr geringen Zahlungen gab es durch das Bundesentschädigungsgesetz in den 1950iger Jahren, diese galten vor allen Dingen für bestimmte Opfergruppen, zum Beispiel politisch verfolgte Menschen.

In diesen Jahren gab es eine Abkommen zwischen Israel und Deutschland für Zahlungen an die jüdische Organisation, wie die Conference on Jewish Material Claims Against Germany, so konnten auch Renten und Medikamente finanziert werden. Doch auch hier mussten Überlebende lange kämpfen, um als Geschädigte anerkannt zu werden.

Viele Zwangsarbeiter, beispielsweise aus Osteuropa wurden nicht berücksichtigt. Auch Opfer aus Polen und der Sowjetunion hatten es besonders schwer. Die Unternehmen erkannten ihre Verantwortung erst spät an, in den Nachkriegsjahren wurde das Thema heruntergespielt und juristisch abgewertet. Erst um das Jahr 2000 wurden Stiftungen gegründet,  „Erinnerung“ oder „Verantwortung für die Zukunft“. Und nur deshalb kam es zu Ausgleichszahlungen, Der Staat und Unternehmen haben ca. 10 Milliarden DM zur Verfügung gestellt.

Doch für die meisten Familien kamen diese Gelder zu spät, sie waren bereits hochbetagt oder verstorben. Etwa 1,6 Millionen Menschen erhielten eine Zahlung, die relativ gering war, im Verhältnis zum erlittenem Leid.

Wir erinnern uns an 8 Millionen getötete Juden und dazu kommen noch die Zwangsarbeiter, die das Dreifache oder Vierfache darstellten.

Realistisch gesehen waren also 20 – 26 Millionen Menschen betroffen, davon haben 1,66 Millionen Menschen eine Entschädigung erhalten.

KZ- Häftlinge bekamen in besonders schweren Fällen bis zu 7700 Euro und Zwangsarbeiter 2500 Euro. Hier handelte es sich um eine Einmalzahlung und nicht um eine Rente oder dauerhafte Lösung, auch wenn die Schäden durch die Zwangsarbeit und die Repressalien von dauerhafter Natur waren. Diese Zahlungen erfolgten 55 Jahre nach Kriegsende.

Viele dieser Firmen haben historische Studien in Auftrag gegeben, ihre Archive geöffnet und zum Teil Entschädigungen gezahlt und dennoch baut ihr wirtschaftlicher Erfolg auf Verbrechen auf.