„Heilung“ nach sexuellem Mißbrauch
Kennst du das? In dir ist viel Wut, Unruhe, Angst, Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit, Trauer, Ohnmacht, Ungläubigkeit, Erstarrung, Zweifel und Verzweiflung.
Meiner Erfahrung nach, von Klienten und auch von mir selbst, schützt die Seele die Prozesse so lange, bis der jeweilige Mensch es auch verkraften kann. Nach und nach kommen diese Gefühle, Bilder, Gedanken, Flachbacks und Erinnerungen zurück. Das kann am Anfang überwältigend sein. Es fühlt sich schmerzhaft an und ist ein starker körperlicher Schmerz in der Seele. Zunächst zeigen sich Gefühle wie Trauer, Fassungslosigkeit, Ohnmacht, Verzweiflung – nach diesen Gefühlen – die in Wellen kommen, zeigt sich irgendwann die Wut. Dann beginnt schon ein Teil der „Heilungsarbeit“, da die Wut transformiert und wieder eine besondere Kraft gibt, um aus dem Opfermodus auszusteigen. Diese Prozesse können bei permanenter Ablenkung im außen nicht vonstatten gehen, dennoch braucht es Pausen vom Prozess. Hier hat jeder Mensch seine eigenen Bedürfnisse und sein ganz individuelles Tempo.
Gleichzeitig darf hingeschaut werden, in dem Vertrauen, dass es sich zur richtigen Zeit zeigt. Dazu braucht es Mut und die Hoffnung, dass es mit der Zeit leichter wird. Und noch etwas ist mir ganz wichtig, viele Betroffene glauben, dass sie ihr Leben lang „Gezeichnet“ sein werden, dies ist nicht der Fall. Es gibt die Möglichkeit – sehr, sehr stark aus den Prozessen herauszugehen, wie Phönix aus der Asche, um so anderen Menschen die sexualisierte Gewalt erlebt haben zu unterstützen oder in der Prävention zu arbeiten.