Wenn keiner lacht . . .
Kennst du das? Du erinnerst dich an eine peinliche Situation, die erste die dir einfällt. Unangenehm? Ja, wahrscheinlich.
Und jetzt stell dir diese Situation noch einmal vor, wenn keiner lacht und sich darüber innerlich oder äußerlich freut oder froh ist, dass es ihm selbst nicht passiert. Also es lacht und spottet niemand und auch unbewusst fühlst du dich bei deinen Mitmenschen wohl, sie strahlen ein Gefühl für dich aus, dass von Annahme, Zugewandtheit und Verständnis geprägt ist.
Wir kennen es wohl alle (zumindest aus der Schulzeit), dass zum Beispiel bei einer falschen Antwort, ein Aus – Lachen in der Klasse oder Abwertung durch einen Lehrer hervorgerufen hat. Sehr unangenehm, für den Schüler. Wahrscheinlich ist er jetzt peinlich berührt, bis hin zu Scham und Schuld. Passiert das häufiger, wird sich sein Verhalten in der Schule und sein Verhältnis zur Schule, zum Lernen und zu sich selbst massiv verändern, dass Selbstbewusstsein würde sinken, bis hin zu unumkehrbaren Umstrukturierungen im Gehirn.
Diese Kernbotschaft, wenn keiner sich freut, wenn es einem anderen schlecht geht, habe ich in einem Video auf Instagram gesehen oder eher gehört und seitdem habe ich viel darüber nachgedacht.
Wie wäre es dann? Würde es etwas verändern? Wäre es immer noch peinlich oder unangenehm? Oder wäre es eben „nur“ eine falsche Antwort, eine schiefer Ton im Musikunterricht oder ein verpatzter Sprung über den Bock oder das Pferd im Sportunterricht?
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Nun habe ich mir überlegt, wie wäre es gewesen, wenn in der NS- Zeit eine Person, einen jüdischen Menschen, niederschlägt, beleidigt, beschimpft, bespuckt, sein Geschäft zerstört und anderen Menschen verbietet, den Laden zu betreten, dort einzukaufen, mit Geld und Lebensmitteln diese Familie zu unterstützen und Anteil zu nehmen, die ärztliche Versorgung zu sichern, sowie die Würde der Menschen, der Ehepaare aufrecht zu erhalten und ihre Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit wieder herzustellen.
Und kein Mensch würde darüber lachen oder sich darüber freuen, dass es den Juden jetzt an den Kragen geht. Sie würde sich auch nicht darüber freuen, dass es sie selber nicht trifft. Sie würden sich aufgrund ihrer Rasse auch nicht besser fühlen oder wertvoller. Sie würden es nicht gut heißen, nicht unterstützen oder sogar mitmachen.
Hätte dieses Person noch Anrieb, würde sie weitermachen? Hätte es soweit kommen können, dass 6 Millionen Juden umgebracht werden können? Und dies sind nur die offiziellen Zahlen, es gab viele Massenerschießungen in Wäldern, die nicht d0kumentiert wurden. Außerdem wurden am Ende des Krieges eine Vielzahl von Unterlagen vernichtet, um den Konsequenzen der Besatzungsmächte zu entgehen.
Gezählt wurden auch nicht die vielen Suizide der jüdischen Bevölkerung, da sie keinen anderen Ausweg mehr sahen, weil ihnen alles genommen wurde. Es gab keine Möglichkeit mehr, ihre Berufe auszuüben, Lebensmittel und Kleidung einzukaufen oder sich frei zu bewegen, die Kinder durften keine Schule mehr besuchen, aus Turn- und Musikvereinen wurden jüdische Kinder, Frauen und Männer ausgeschlossen. Ihre Konten wurde eingefroren, die Krankenkassenbeiträge die jahrelang bezahlt wurden, wurden einbehalten und sie hatten keinen Anspruch mehr auf medizinische Behandlung, die Vermögenswerte wurden beschlagnahmt, die Versicherungen zahlten nicht für die Schäden an Leib und Leben, Hab und Gut, Häuser mussten mit viel Druck und weiter unter Wert an NS -Leute verkauft werden.
Alles was nicht Niet und Nagelfest war, wurde an nicht jüdische Familien für wenig Geld abgegeben. Am Ende zahlten sie noch den Preis für Ermordung, Zwangssterilisation, Vergasung und die T4 Aktion- die die Vernichtung von unwertem Leben bedeutete – mit ihren Geldern, ihren Rentenversicherungsbeiträgen, ihren Krankenkassenbeiträgen und ihren Versicherungsbeiträgen und ihrem Vermögen.
Auch nach dem Krieg, verschwand der Antisemitismus nicht. Auf der ganzen Welt, wurden Juden – die das KZ und die Nazi -Zeit überlebt hatten, als sie nach Hause kamen, erschossen und erschlagen, von Nachbarn, Dorfbewohnern und anderen Personen mit brauner Gesinnung.
Viele davon starben nach der Befreiung, weil sie zu geschwächt waren und zu ihrem Schutz weiter in Lagern leben mussten. Die Menschen die wieder ein Zuhause fanden, konnten mit dieser Gewalt nicht umgehen, starben an Krankheiten oder an Suiziden.
Geschätzt werden bis zu 8 Millionen getötete Juden in der NS – Zeit. Mir fällt immer wieder der Satz ein: „Stell dir vor es ist Krieg und niemand geht hin.“
Eine unglaubliche Zahl, oder? Und dies ist noch nicht alles. Denn alles was geschieht hat Auswirkungen auf nachfolgenden Generationen, auf das Land, indem es passiert ist oder eben nicht passieren konnte, wie in Schweden.
Es hat Auswirkungen auf Karma und Gerechtigkeit, auf die Art wie Menschen die Welt sehen, in ihrem Urvertrauen zutiefst erschüttert sind und die Welt als sicheren oder unsicheren Ort sehen, wie viele Kinder gezeugt und geboren werden, ob Familien gegründet werden, wie viele „kranke“ Menschen eine Gesellschaft hat und vieles, vieles mehr.
Und das nicht nur für ein paar Jahre, sondern für eine sehr, sehr, sehr lange Zeit. Bis eine große Veränderung kommt und diese Zeit transformieren kann. Doch dazu braucht es Einsicht, Rücksicht, ein radikales Umdenken, ein Innehalten und die Übernahme von Verantwortung.
Stell dir vor, die Menschen wären sich zugewandt, unterstützend, helfend, verständnisvoll und tolerant. Der Beginn einer neuen Ära, der Beginn einer neuen Zeit, eine Zeit voller Liebe, Licht und Güte.
Nachtrag:
Im Nachgang ist mir noch etwas wichtiges aufgefallen. Der meiste Missbrauch findet nicht aus sexueller Begierde statt, sondern ist ein Zeichen von absolutem Machtmissbrauch und Kontrolle, von Manipulation und Kleinhalten.
Jede zweite Frau / Mädchen und Jungen wird in ihrem Leben Opfer von sexuellen Übergriffen. Die meisten der Täter kommen aus dem privatem Umfeld. Sehr oft – von Ehemännern, Cousins, Onkeln, Partnern, Opas, Nachbarn, Arbeitskollegen. Häufig werden Betäubungsmittel eingesetzt und diese abartigen und grausamen Szenen gefilmt und gedreht.
Die Opfer haben zumeist keinen direkten Zugang zu den Taten und den Tätern. Die Erinnerungen kommen mit der Zeit zurück. Erst dann kann die Frau sich Unterstützung und Hilfe holen. Viele Frauen erleben außergewöhnliche Situationen in ihrem Leben, zum Beispiel eine Geburt, dann kommen häufig die Erinnerungen zurück oder wenn sie selber Kinder in dem Alter haben – in der sie selbst sexuelle Gewalt erlebt haben, bei Krebserkrankungen – infolge der Behandlungen, in Krankenhäusern, bei Operationen oder anderen nicht alltäglichen Situationen.
Die Verjährungszeiten sind je nach Straftat sehr unterschiedlich. Dabei wird zwischen Straf- und Zivilrecht unterschieden. Seit einigen Jahren beginnt die Verjährung bei Kindern erst ab dem 30 +Lebensjahr, um die Kinder zu schützen, dann beträgt sie 20+ Jahre.
Und nun stellen wir uns vor, ein Mann vergewaltigt ein Kind und filmt es. Kein anderer Mann würde das gut finden, wollte das Film- oder Fotomaterial sehen, keiner wollte davon erzählt haben und sich daran aufgeilen. Menschen hätten Mitgefühl mit dem Opfer und würden Unterstützen und die Polizei informieren. Die Täter hätten nicht Millionen Personen auf ihrer Seite, die solches Material konsumieren oder selbst Täter sind oder dadurch werden. Keiner wäre schadenfroh oder würde sich freuen, dass es jemand anderen getroffen hat.
Keiner lacht und freut sich darüber. Im Gegenteil – die Strafen würden umgesetzt und erhöht werden.