verzeihen und vergeben
Es gibt auf Instagram Videos, da beenden Kinder die angefangenen Sätze ihrer Eltern. Diese Sätze, die viele von uns aus der Kindheit und Jugend kennen. Zum Beispiel: Wenn du deine Füße unter meinen Tisch stellst, … dann?
Warum weinst du? Ich gebe dir gleich einen Grund, … dann?
Solange noch etwas auf dem Teller ist, … dann?
Mach die Augen zu, dann weißt du… dann?
Guck dir das Schwarze unter deinen Fingernägeln an, … dann?
Die Antworten der ungefähr 5 – 7 jährigen sind sooo süß und positiv. Sie ahnen zum Glück nicht, welche negativen Emotionen diese Sätze bei den Kindern von damals, den heutigen Erwachsenen häufig heute noch auslösen.
Diese Zeiten waren geprägt, von emotional nicht erreichbaren Erwachsenen. Oft gezeichnet von Machtmissbrauch, emotionaler Ablehnung und Abwertung, physischer und psychischer Gewalt, aber auch sexueller Gewalt. Sie waren nicht erreichbar, es ging um ein Bild im Außen – das eine heile Welt widerspiegeln sollte, die es nie gab. Die Kinder haben das Meiste mit sich selber ausgemacht. Gab es Probleme, Stress und Streit wurde es, wenn überhaupt, mit Freunden besprochen. Jede negative Auffälligkeit wurde vermieden, mit dem Wissen, dass die Strafen extrem sein konnten. Ich bin sicher, es gab hier und da Notlügen und Ausreden, um schlimmere Auswirkungen zu verhindern. Die Eltern von heute wären geschockt von einem solchem Verhalten ihrer Kinder, da sie Nähe geben konnten, Vertrauen, Liebe und die Gewissheit, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Das trifft zumindest auf die Mehrheit der Eltern zu.
Damals in den 60iger und 70iger Jahren, auch noch in den 80igern war es in der Erziehung umgekehrt.
Viele Menschen haben noch mehr negative Kindheitserinnerungen oder gar keine mehr. Ich glaube, viele Kindheits-und Jugenderinnerungen sind negativ besetzt. Mit den Gedanken und Gefühlen an bestimmte Menschen und Situationen, die Erinnerung an Taten und Handlungen, Flashbacks an verschiedenen Orten, ungute Gefühle beim Betreten einer Schule oder einer Turnhalle, bei bestimmten Gerüchen oder Geräuschen, Liedern und Stimmen und alles was im Alltag allgegenwärtig ist.
Und nun gilt es eine Entscheidung zu treffen. Nämlich: zu verzeihen. Und ich kenne die Stimmen, die sagen, man muss nicht verzeihen. Und ich habe lange darüber nachgedacht und reingefühlt. Es gibt nur eine Möglichkeit Frieden im Inneren zu finden und das geht nur mit vergeben. Den Tätern verzeihen, es klingt fast ungeheuerlich, oder? Ist es wirklich so? Nein, denn wir verzeihen, dann für uns und nur für uns. Um einen Frieden zu erlangen, der sich nicht in Worte fassen lässt. Die Täter wollten Unfrieden, Krieg, Mangel, Gewalt, gebrochene Kinder, Machtmissbrauch, Abwertung, Schuld und Scham erzeugen, weil sie selbst im Unfrieden waren. Die Opfer nehmen es auf und bleiben darin hängen, wie in einer Verstrickung, die nicht ihre ist. Zuerst müssen sich mit diesen Themen auseinandersetzen, ihre Traumata heilen und wieder ins Leben zurückkommen. Doch oft bleibt was zurück, ganz am Ende dieser „Heilungsreise“, Unruhe, Reste von Schuld, Scham und Wut, außer die Spirale wird beendet.
Und das Ende von diesen Taten und Tätern ist, es bei ihnen zu belassen, den Unfrieden zurückzugeben. Return to sender.
Dafür gibt es nur einen Weg, vergeben und verzeihen, ausschließlich für sich selbst. Gleichzeitig denen, die deinen Lieblingsmenschen geschadet haben, auch wenn es das Schwerste ist, was ich mir vorstellen kann. Dann nur so gibt es einen tiefen Frieden, Liebe und eine große Freude und Ruhe im Inneren. Dann werden sich neue Wege eröffnen, Wege voller Frieden, Fülle und Erfolg und echter Nähe.
Es könnte sein, das nicht alles auf einmal geht, doch dann klappt es möglicherweise Schritt für Schritt. Dazu zählt auch dir selbst zu verzeihen.
Ich wünsche Dir von ganzem Herzen viel Erfolg dabei.