Ein gelebtes Leben
Wie wird es sein am Ende eines Lebens? Gehen wir mal von einem „normalen“ Leben aus. Was würde die Trauerrednerin sagen? Geburt, Eltern, Berufe, Ort, Kindheit, Jugend, Ausbildung, Beruf, Hochzeit, Kinder, Hobbys, besondere Dinge, die letzten Wochen und Monate, Krankheiten bis hin zum Sterbeprozess, Todesdatum.
Dann ist doch alles ganz gut gelaufen, oder?
Nehmen wir ein anderes Leben. Ein Kind kommt mit einer Beeinträchtigung zur Welt. Es kämpft sich durch, geht zur Schule, lernt fleißig, muss mit Rückschlägen umzugehen, weil es manche Fächer durch die Krankheit einfach nicht gut kann. Später macht sie eine Ausbildung, sie macht Fortbildungen, arbeitet sich hoch, studiert und arbeitet in ihrem Beruf. Privat ist es auch nicht der gerade Weg. Sie heiratet, bekommt ein Kind, irgendwann kommt die Scheidung, alleinerziehend und wieder Kampf, doch irgendwann wird ihr Leben leichter, beruflich, privat, finanziell, dann kommt eine neue Liebe, eine neue Hochzeit und damit eine neue Fülle in ihr Leben.
Wie würde dieses Leben klingen, wenn es von einer Rednerin auf der Beerdigung zusammengefasst wird? Das würde darauf ankommen. Du fragst dich auf was? Nun, auf die Sichtweise. Im Mangel wäre dieses Leben schwerer gewesen, doch mit Fülle betrachtet, ist es ein Leben mit Freude, Zuversicht und Hoffnung. Viele Neubeginne, trotz Tränen, Zusammenhalt und Liebe.
Dieses obere Leben ist für die Außenwelt schön anzusehen. Doch auch hier wird es darauf ankommen, wie dieses Leben von diesem Mensch gelebt wurde. War sie liebevoll, kompromissbereit, hat sie sich für andere Menschen interessiert, konnte sie lieben und Beziehungen halten. Was sie glücklich in ihrer Welt oder der hat sie nur „ausgehalten“. Hat sie ihre Träume und Ziele verfolgt oder ist sie gelebt worden. Hat sie andere über sich entscheiden lassen? Wo lag ihr Fokus? Bei sich oder im außen? Ist sie dem Kollektiv gefolgt und der Vorstellung, was „man darf“ und „was man nicht darf“ oder hat sie diese Grenzen erweitert, sie hat sich angepasst und dennoch ihr Leben gelebt, ohne sich selbst zu verlieren. Ist sie sich und ihren Werten treu geblieben? Konnte sie jeden Abend in den Spiegel schauen?
Was würden ihre Kinder, Enkelkinder und Nachbarn und Freunde sagen. Was zählt wohl am Ende des Lebens?
Dankbarkeit, Liebe, Erinnerungen, Segnungen, Partnerschaft, Erfolg, Frieden, Glück und das, was für jeden Menschen das persönliche Glück bedeutet.