Das innere Team, unsere inneren Anteile oder was passiert nach Trauma
Kennst du das? Du hast Anteile in dir die sehr perfektionistisch veranlagt sind oder innere Stimmen, dir dich antreiben und dich nicht zur Ruhe kommen lassen, Anteile die dich abwerten oder Anteile die sehr misstrauisch sind.
Jeder Mensch hat diese inneren Anteile. Und auch wenn die Botschaften häufig unangenehm sind, wollen sie uns schützen. Auch wenn es im Erwachsenenalter nicht mehr nötig wäre, doch das wissen die Anteile nicht. Sie schützen vor Strafen, Abwertungen, Gewalt und Demütigungen. Diese Anteile entwickeln sich oft in der Kindheit und sie verabschieden sich nicht, wenn wir volljährig sind, ausgezogen sind oder unser eigenes Geld verdienen und damit nicht mehr abhängig sind.
Diese Anteile können im Coaching angeschaut werden, da sie für den Erwachsenen zugänglich sind. Anders verhält es sich mit Trauma -Anteilen.
Ein Beispiel:
Ein Kind erlebt sexualisierte Gewalt, sagen wir vom Cousin. Die Eltern wissen davon, doch schützen das Kind nicht. Das Kind lernt also, es ist auf sich alleine gestellt. Es gibt niemanden, bei dem das Mädchen die Sicherheit spürt, dass es sich anvertrauen kann. Irgendwann wird es zur schrecklichen Realität. Es muss es irgendwie und immer wieder, über Jahre, über sich ergehen lassen. Die einzige Möglichkeit ist es, diesen Anteil abzuspalten. Ansonsten wäre es so schrecklich, dass sie wahrscheinlich sterben würde.
Nun ist dieser Anteil in der Lage sich kurz vor dem Missbrauch zu aktivieren, es irgendwie zu überstehen – ohne zu sterben und danach kommt langsam der alltägliche Anteil zurück. Diesen Vorgang zum Überleben nennt man Dissoziation. Die Zeit zurück ist unterschiedlich, häufig kalt, zitternd, ängstlich, ohnmächtig, orientierungslos, hilflos, die Tränen laufen und die Zeit steht still.
Es kann dadurch auch zu einer Schizophrenie oder einer dissoziativen Persönlichkeit, also einer multiplen Persönlichkeitsstörung kommen.
Der Alltagsanteil kann sich bewusst nicht an die Tat erinnern, doch ein schlechtes Gefühl und körperliche Wunden bleiben, auch wenn diese sich mit den Anteilen, die gerade aktiv sind, verändern. Deshalb haben multiple Persönlichkeiten, je nach dem Anteil der sich gerade zeigt, zum Beispiel eine unterschiedliche Sehstärke oder in einer Persönlichkeit andere gesundheitliche Probleme oder Krankheiten, als in einer anderen Persönlichkeit, so ist es auch mit Fähigkeiten und Kompetenzen. So ähnlich ist es auch, mit dem Trauma – Anteil. Natürlich blutet das Kind noch und die Wunden schmerzen. Doch der Überlebensmodus wird dafür sorgen, dass die Wahrnehmung gedeckelt ist, so dass das Mädchen sich versorgen kann und dennoch nur so viel Informationen von dem Trauma – Anteil bekommt, um noch überleben zu können.
Viele Menschen werden bis ans Ende ihres Lebens keinen Zugang zu diesem Anteil haben. Doch es gibt Anzeichen, unangenehme Gefühle in Gegenwart des Täters, Schutz der eigenen Kinder – ohne einen logischen Grund, eine unspezifische Angst vor Vergewaltigungen, Träume, Impulse, Angststörungen, Panikattacken, Depressionen, selbst verletzendes Verhalten, Selbsthass, Selbstabwertung, wenig Selbstbewusstsein, Abwehrverhalten bei bestimmten Männern oder Situationen, Stress bei Sexualität, Erstarrung oder Dissoziation.
Je nach der individuellen Situation können eine Vielzahl mehr Anhaltspunkte auftreten, ja nach Kontext der Täter, des Umfeldes und der Tatorte.
Nun stellen wir uns vor, dieses Mädchen ist inzwischen erwachsen, sie ist sicher und nach und nach kommt die Erinnerung wieder, nämlich dann, wenn der Überlebensmodus vorbei ist. Jetzt wird es an ihr liegen, diesen Anteil liebevoll in den Arm zu nehmen und alleine oder mit professioneller Hilfe, das Erlebte zu verarbeiten. So kann sie die schlechten Gefühle und die Vergangenheit hinter sich lassen, um so ein neues, besseres und selbstbestimmtes Leben aufzubauen.