Bis zu 5% Narzissten in Deutschland

Dies besagt eine Studie von 2019 in Bamberg, erfasst sind diagnostizierte narzisstische Persönlichkeitsstörungen, kurz NPS. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Laut einer anderen Studie wurden 45 000 Menschen aus 53 Ländern untersucht. Deutschland zählt zu den fünf Ländern mit der höchsten Ausprägung. Dazu zählen auch Irak, China, Nepal und Südkorea. Die USA ist im Mittelfeld, Dänemark, die Niederlande und das vereinigte Königreich liegen mit anderen Ländern im unteren Bereich.

In westlichen Ländern wird Leistung und Selbstwert stark betont, dies fördert dieses Verhalten.  Man geht von einer genetischen und einem gesellschaftlichen und kulturellem Kontext aus. Übrigens weisen „Wessis“ stärkere Narzissmus Werte auf, als „Ossis“. Das finde ich überhaupt nicht verwunderlich. Genauso wenig wie Deutschland auf den ersten Plätzen und Dänemark auf den untersten Ranking liegt.

Schauen wir uns die Erziehung und den kulturellen Kontext an.

Zu DDR Zeiten war das Kollektiv, die Klasse, die Abteilung, das Team im Vordergrund. Eine Gruppe konnte nur so stark sein, wie sein schwächstes Glied. Die Einzelperson war nicht viel wert, ohne den Rest ihrer Gruppe. In der Bundesrepublik ist der Mensch erfolgreich, der sich von der Allgemeinheit abhebt, der der Chef ist, der es geschafft hat, der über andere bestimmt, der einen hohen Rang oder Titel erreicht hat. Der der viel Geld hat, Macht, Einfluss und das „Sagen“ hat.

Ein Handwerker zum Beispiel der gut verdient, wird nicht als so erfolgreich wahrgenommen, wie ein Politiker oder ein Firmeninhaber mit 300 Mitarbeitern, obwohl die Finanzen vielleicht bei dem Handwerker besser aussehen, da er keine Kredite mehr zu bezahlen hat. Es kommt also nicht nur auf das Kapital an, sondern auf den Einfluss, die Macht, die Anzahl der Mitarbeiter.

In Dänemark, aber auch in Schweden oder Norwegen gibt es niedrige Hierarchie Ebenen. Im Gegensatz dazu nehmen wir als Beispiel die Bundeswehr oder klassische Unternehmen, aber auch Banken und Ämter – die einen hohen Hierarchieansatz aufweisen. Hier ist klar geregelt, wer was darf und vor allen Dingen, wer etwas nicht darf. Ob es logisch ist oder nicht. Als Karriere gilt also, der der  weit gekomen ist im Leben, der der Chef ist, der hat es geschafft, je höher desto besser. Ob dieser Mensch menschlich absolut ungeeignet ist oder nicht, spielt keine Rolle, die meisten im Umfeld werden ein hohes Bild von dieser Person haben. Und dies wiederum füttert das Ego dieser Persönlichkeit.  Im privaten Leben kann es ganz anders aussehen. Vielleicht gibt es wenig echte Beziehungen, ehrliche Verbindungen und Freude und Familie, die sich wirklich sehen und unterstützen.

In den nordischen Ländern gibt es eine Regel, die das Gegenteil besagt, obwohl ich dies in absoluter Ausprägung auch kritisch sehe. Das ist das: „Jantelagen“ in Schweden und in Dänemark und Norwegen heißt es „Janteloven“. Diese Regel besagt, dass niemand sich über andere stellen darf, nicht angeben soll, sich nicht für besser, klüger oder wichtiger halten soll.

Das „Gesetz von Jante“ ist kein Gesetz, dass die Regierung erlassen hat. Sondern es ist ein Gesetz das tief verwurzelt ist in den nordischen Ländern, es ist ein ungeschriebenes Gesetz. Dies soll Gleichheit, Zusammenhalt und Bescheidenheit fördern. Wie viele Narzissten gibt es wohl in diesem kulturellem Kontext? Die Studie offenbart es.

Ein Kritikpunkt den ich sehe und bei meinen Besuchen in diesen Ländern stark wahrnehme, ist die Abschaffung von Individualität, fast schon bis ins Unsichtbare und wie ich finde in Schweden weitaus stärker, als zum Beispiel in Dänemark. In Dänemark fühlt sich dieses Gemeinschaftsgefühl entspannt an, in Schweden sehr eingeschränkt. Und dennoch sehe ich auch da zum Beispiel junge Frauen, die bedienen oder an der Tankstelle arbeiten, von denen ich glaube, dass sie viel mehr erreichen könnten. Es steht außer Frage, dass sie diese Arbeit, die sie gerade machen, können und dabei freundlich und kompetent sind. Die Frage die ich mir stelle ist, wären sie nicht woanders glücklicher und vor allen Dingen gibt es nicht einen Arbeitsplatz an dem sie mehr bewegen könnten, etwas Großes und Bedeutenderes erschaffen könnten?