Angst vor Veränderung und der Preis zu bleiben
Vielen Menschen haben Angst vor Veränderung. Obwohl sie unglücklich sind, bleiben sie in einer Ehe, in einer Partnerschaft oder in einem Beruf oder in einem toxischen Team. Dabei lieben viele meiner Klienten ihre Arbeit, doch nicht in dieser Arbeitsstelle.
Irgendwann stellt sich dann die Frage, bleiben oder gehen? Um den Kopf und die Gedanken zu sortieren, kann eine Pro und Kontraliste helfen. Doch auch wenn die Liste zu bleiben noch einige Punkte mehr enthält, kann auf einer emotionalen Ebene das Gefühl von Niedergeschlagenheit und Unglücklichsein schon sehr hoch sein. Da nützt das höhere Gehalt nichts mehr oder der kurze Arbeitsweg.
Wenn du nicht sicher bist, dann schaue die deine Emotionen an. Wie fühlst du dich Montag morgen, Sonntag am Abend, wie fühlst du dich nach der Arbeit? Hast du noch Energie oder bist du völlig fertig? Dann läuft etwas falsch. Dann ist die Entscheidung längst gefallen.
Ein anderes Indiz ist es, wenn du dir eine Situation immer „schön reden“ musst. Ein Beispiel: Mein Partner ist ja auch mal zugewandt, er ist ja nicht immer so, es wird bestimmt bald besser, er ist im Augenblick bestimmt nur gestresst, ich muss nur durchhalten. Wir haben doch gerade erst das Haus gekauft oder wir haben uns endlich etwas aufgebaut, den Urlaub gebucht, die Kinder sind noch so klein. Ich warten vielleicht noch ein paar Jahre. Dann passt es bestimmt besser. Obwohl du dich selber dabei verlierst. Tust du den Kindern wirklich einen Gefallen, wenn du bleibst? Was lebst du ihnen vor? Welche Glaubensätze und Muster sollen sie über Ehe, Familie, Respekt und Wertschätzung verinnerlichen? Möchte ich, dass sie später mal so eine Beziehung führen? Was möchte ich ihnen vorleben, wie sollte Leben sein- bleiben aus Angst oder Veränderungen trotz Angst, wenn es sich einfach nicht mehr stimmig anfühlt oder sogar gefährlich ist.
Ein anders Beispiel für den Arbeitsplatz: Wenn ich das Projekt abgeschlossen habe, dann wird es besser, das Gehalt ist gut, ich mag die eine Kollegin, die kann ich nicht alleine lassen, ich muss wegen dem Team oder der Kunden bleiben, es wird bestimmt leichter – wenn neues Personal eingestellt wird. Bald habe ich Urlaub, ich halte durch, dann ist Wochenende und bald sind Feiertage.
Sollte diese Phase sehr lange anhalten, die Krankheitstage sich häufen, du dich kaum noch wiedererkennst und du immer weniger Energie, auch für deine eigenen Dinge und deine Selbstfürsorge, deine eigenen Ziele, Träume und Pläne hast, wird es Zeit eine sehr ehrliche Bestandsaufnahme zu machen.
Was ist der wirkliche Grund zu bleiben? Welche Ängste stehen vor einer Veränderung? Gibt es ein Thema hinter dem Thema?
Was verliere ich wenn ich gehe? Welchen Preis zahle ich, wenn ich bleibe? Wieviel Zeit verliere ich dabei, wenn ich warte? Und gerade bei narzisstischen Beziehungen, habe ich irgendwann noch die Kraft, die Situation zu verlassen?
Brauche ich Unterstützung? Gibt es Familienangehörige, Freunde und Bekannte die mir helfen können? Möchte ich professionelle Unterstützung? Benötige ich Unterstützung von Behörden, der Polizei und Organisationen, gerade bei Gewalt oder sexuellem Missbrauch in der Ehe.